Geschichte

Löschboot Christophorus

Löschboot Christophorus Feuerlöschboot in Basel von 1939 - 2006

"Kampf ist der Vater aller Dinge" (Heraklit um ca. 510 v. Chr.)

Ares, der antike Kriegsgott hatte längst in Europa die Lunten ausgelegt: Wo die Angst, wächst wittert man den roten Hahn. 1938 roch und ahnte man ihn bereits in seiner Vorbereitung. Kriegsgefahr, die aufkommende Rheinschifffahrt, Ausbau der grenznahen Hafenanlagen sowie die Gefahren von Tank und Kohlenlager waren entscheidend für die Anschaffung eines Rett- und Feuerlöschboots in Basel-Stadt. Zur Bekämpfung von Grossbränden und für die Notwasserversorgung schien ebenfalls ein Boot mit starken Wasserpumpen die geeignetste Lösung zu sein. Allein im Jahr 1937 rückte die ständige Feuerwache zu einem Brikettlagerbrand und drei Schiffsbränden aus. Den politischen Verantwortlichen wurde die schlummernde Gefahr bewusst, die Zustimmung für den Bootsbau wurde unbürokratisch erteilt. Noch im März, vor der allgemeinen Mobilmachung am 1. September 1939, lief das erste Feuerlöschboot in Kaiseraugst vom Stapel. Basel sah sich vor und war zudem um eine Sehenswürdigkeit reicher, man freute sich darüber.

Blitz, Feuer, Wasser und andere Gefahren

standen schon immer unter dem Schutze des Heiligen St. Florians, dem Schirmherrn der Feuerwehren. Das erste schweizerische Löschboot wurde zu Ehren dieses Schutzheiligen auf diesen prosaischen Namen getauft: St. Florian - der Märtyrer, der im Jahre 304 mit einem Mühlstein um den Hals in den Fluss Enns geworfen wurde, eine Todesstrafe die auch im alten Basel gang und gebe war. „Schwemmen“ nannte man diesen barbarischen Brauch, der noch lange von der ältesten und zugleich niedersten Rheinbrücke (das Nadelöhr der heutigen Rheinschifffahrt) praktiziert wurde. „Dr Florian“, so nannte der Volksmund das (1939 - 1973) zum Stadtbild gehörende Löschboot, das vertäut, unterhalb des geschichtsträchtigen Totentanz zu Basel lag; er hatte seiner Zeit gedient.

In der Zeitmaschine

Der entsetzliche Feuersturm des 2. Weltkriegs war beendet. Die Wiederaufnahme der Wasserwege 1945-, Aufbau des zerstörten Europas, der Energiehunger nach Brenn- und Treibstoffen, der freie Güterverkehr-, fanden vor allem in der kostengünstigeren Binnenschifffahrt statt. Die durch den Krieg gewonnenen Techniken zeigten sich auch im Schiffsbau, in der Antriebstechnik, in der Telekommunikation und im Wundergerät Radar. Die traditionelle Feuerwehr Basel musste umdenken und sich anpassen, um den neuen Gefahren entgegenhalten zu können, kurzum um sich zeitgemäss zu wehren!

Zwillingsboote

Neue Lösch- und Rettungsverfahren, der Schutz der Umwelt, Hafen und Chemieanlagen sowie einschneidende Schiffsunfälle im hektischen Industriezeitalter trieben den unumgänglichen Ersatz des guten alten Florians voran.

Am 1. Juni 1971 beschloss der Grosse Rat die Anschaffung eines neuen Bootes, dessen Aufgaben wie folgt umschrieben wurden: Hilfeleistungen bei Unfällen auf dem Rhein, Personenrettungen, technische Hilfeleistung für unmanövrierbare, gekenterte oder leckgewordene Schiffe. Hilfe bei Schiffsbränden, Bekämpfung von Bränden im Hafen und Uferbereich, Wasser- und Löschschaumlieferung bei Ereignissen an Land, Sichern und Binden auslaufender, brennbarer Flüssigkeiten, Schleppmöglichkeit und zu alldem noch Eisbrechen.- Ja ein multifunktionaler, schwimmender Tausendsassa wurde erdacht. Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschloss, ein identisches Boot zu erwerben. Der durch eine Schleuse getrennte Baselbieter Hafen, ein schlummerndes Pulverfass, wurde mit diesem Entscheid um einiges sicherer. Der Berufsfeuerwehr Basel wurde in einem partnerschaftlichen Vertrag die Betreibung der beiden Löschboote übertragen. Ausbildung, der aufwendige Unterhalt sowie die Kardinalsfrage, geschultes Personal mit erforderlichem Rheinschifferpatent anzuwerben, wurden mit dieser bis heute bestehende Gemeinschaftslösung erfüllt.

Schifferlatein!

Mit "grossem Bahnhof" löste das 2,3 Millionen Franken teure Feuerlöschboot Basel-Stadt im kalten Februar 1973 den aus der Zeit gekommenen Florian ab. Die speziell für die Betreibung der beiden Löschboote angeworbenen Rheinschiffer hatten zu dieser Zeit bereits die halbjährige Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann abgeschlossen. Die erforderlichen behördlichen Auflagen waren erfüllt. Somit konnte das erste schweizerische Feuerlöschboot nahtlos in den Dienst der Öffentlichkeit genommen werden.

Ausser im Feuerwehrdienst, der handwerklichen Berufsarbeit und im Turnunterricht wurde die Mannschaft der ständigen Feuerwache (Berufsfeuerwehr) vorsorglich schon 1938 im Rettungsschwimmen ausgebildet. Ein Schlauchboot und die Anschaffung eines „Badetuchretters“, Modell Dräger 1926 (leichtes Tauchgerät), wurden für Wasserrettung der aufkeimenden Badekultur im Rhein in den späten 30er-Jahren eingesetzt.

Mit den neu beschafften Löschbooten mussten nun zusätzlich das Matrosenhandwerk, das ABC der Binnenschifffahrt, die Motorbootprüfungen sowie die knifflige Bedienung der Schiffsmaschine mit den feuerwehrtechnischen Einrichtungen erlernt werden. Der Schiffsunterhalt, die Ausbildungspflichten sowie die nautische Kenntnisvermittlung für die Berufsfeuerwehrleute wurden den Schiffsführern übertragen.

Technik

Ohne Zweifel, diese schwimmenden Wunderwerke nehmen eine Sonderstellung ein. Die beiden herausgeputzten Löschboote, beliebte Besuchermagnete, führen die Hitparade der Feuerwehrinteressierten an. Aber auch Maschinen unterstehen dem irreversiblen Vorgang des Alterns. 33 Dienstjahre, Abnutzung, unzählige Einsätze, Witterungseinflüsse und vor allem der erfolglose Kampf der Ersatzteilbeschaffung erforderten im Frühjahr 2006 ein erneutes Anpassen an die teure Techno-Zeitmaschine! Alles fliesst, wiederum hat diese Aussage des weitsichtigen Philosophen Heraklit seine Richtigkeit.

Drecksarbeit ist Ehrensache

Mit der Vertreibung aus dem Paradies wurden uns Menschen die Pein und die Arbeit aufgebürdet. Dem Nächsten zur Wehr - das Lebenselixier der Feuerwehr ist mit viel Arbeit im Reiche der Maschinen und Geräte verbunden. Das handwerkliche Metier, unser zweites Standbein, ist Pflicht wie Voraussetzung für den Betrieb der unzähligen Rettgeräte und zugleich auch von Nutzen für die technischen Neuanpassungen von Feuerwehreinsätzen aller Art, sei es zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. Eine Fremdbewirtschaftung der vielschichtigen modernen Ausrüstung würde den überbeanspruchten Geldbeutel des städtischen Gemeinwesens noch stärker „löchern“.

So wurde berechnet, gefeilscht, abgewogen, verglichen und abgespeckt, bis ein machbares Konzept für den anstehenden Löschbootumbau BS von den politisch Verantwortlichen bewilligt wurde. Der gesprochene Rahmenkredit von 480'000 Franken konnte jedoch nur durch Eigenarbeit der Mannschaft eingehalten werden.

Erkenntnis auf dem Trockendock

Der Werftaufenthalt öffnete uns einen Spalt weit das Tor zum Schiffsbau und dessen Handwerkskunst. Das ganze Löschboot wurde auf Rumpf und Maschine überprüft und revidiert, neue Technik in Navigation, Elektronik, Hydraulik eingebaut, komplett abgeschliffen, grundiert, versiegelt, kurzum einem umfassenden Facelifting unterzogen!

Die Spassverderber des Glücks weisen darauf hin, dass man im strengen Sinne Erfüllung überhaupt nicht erleben könne, schon beim Gedanken daran verflüchtigt sich dieser Gefühlsmoment. Möglich, doch an etwas mitzuarbeiten, das im Dienste der Mitmenschen gebraucht wird, Schaden abwendet, bei fatalen Verkettungen des Zufalls etwas entgegenhält, Leben rettet, nutzbringend ist und erst noch von der Bevölkerung getragen wird, ist nach Meinung der abendländischen Meisterdenker eine mit Sinn erfüllte Tätigkeit.

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